Landschaftspflegearbeiten mit dem Schäferhof Neuenkirchen
Ein wichtiger Bereich der Arbeit unseres Vereins sind verschiedene Arbeiten zur Landschaftspflege. Diese Arbeiten führen wir gemeinsam
- mit dem Verein Schäferhof Neuenkirchen
- mit verschiedenen Behinderteneinrichtungen der Region
- mit Schulklassen
- sowie mit weiteren interessierten Menschen durch
Wir werden dabei im Rahmen von Leader+ von der Europäischen Union gefördert. Unter dem Oberbegriff „Leader+“ werden unterschiedlichste Projekte zur Förderung der ländlichen Entwicklung zusammengefasst.
Unsere Arbeiten zur Landschaftspflege dienen dem Naturschutz und dem Wissen über Lebenszusammenhänge in der Natur. Ihr Nutzen allerdings lässt sich schwer nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten errechnen. Hier hilft ein Arbeitsbegriff weiter, der statt auf wirtschaftlichen Nutzen vor allem auf die Begegnung setzt: die Begegnung zwischen Menschen ebenso wie die Begegnung mit der Natur.
Bei diesen Arbeiten geht es uns vor allem darum
- Arbeitsmöglichkeiten für geistig schwer behinderte Menschen anzubieten
- über gemeinsame Tätigkeiten Ausdrucksformen ( auch nichtsprachlicher Art ) und Begegnungen zwischen behinderten Menschen, Schülern und Naturschützern zu entwickeln
- einen Wert von Arbeit jenseits von Gewinnmaximierung zu vermitteln
- die sinnliche Wahrnehmung und Empfindsamkeit zu fördern
- Naturverbundenheit und ästhetisches Empfinden zu stärken
- Kenntnisse in Naturschutz und Landschaftspflege durch praktisches Tun zu erwerben
- sich körperlich zu ertüchtigen
- die gesellschaftliche Integrationsbereitschaft gegenüber behinderten Menschen zu fördern
Unsere Landschaftspflegearbeiten umfassen zwei Projekte, die wir ein Mal monatlich gemeinsam durchführen:
- das Entkusseln von Heideflächen
- den Bau eines Heide-Erlebnispfades am Schäferhof Neuenkirchen
Beim Entkusseln werden Kiefern- und Birkentriebe, die sich im Boden ausgesät haben, herausgezogen, abgesägt oder abgeschnitten. Morsches Holz stapeln wir zu einem Haufen auf und verbrennen es zusammen mit den Kieferntrieben. Der Umgang mit Bügelsäge, Beil und Astschere bereitet allen viel Spaß. Hin und wieder wird auch unter Beachtung aller Vorsichtsregeln ein toter Baum gefällt. Ohne diese Eingriffe würde die Heide bald von Waldflächen verdrängt werden. Auch die Humusbildung durch morsches Holz gefährdet ihren Bestand.
Beim zweiten Landschaftspflegeprojekt legen wir am Schäferhof in Neuenkirchen einen Sinnes- und Erlebnispfad an.
Beim diesem Heide-Erlebnispfad wurden die Fühlkästen, der Wohlfühlpfad und das Insektenhotel von den erwachsenen Behinderten erstellt und die Hinweistafeln aufgestellt. Informationen über die Natur ebenso wie erfahrbare Eindrücke werden vermittelt.
Der Weg zum „Schwarzen Dreck“ einer alten Moor- und Heidefläche wurde von den erwachsenen Behinderten größtenteils geräumt und wieder hergerichtet. Die Mitarbeiter des Schäferhofes haben dabei Hilfestellung geleistet. Dem Besucher werden Informationen ebenso wie erfahrbare Eindrücke über die Natur vermittelt.
Durch diese Projekte können behinderten Teilnehmer mit den Mitarbeitern des Schäferhofes Neuenkirchen einen sinnvollen Beitrag - im Sinne von Selbstbestimmung und Teilhabe - im Rahmen ihrer Möglichkeiten leisten.
Insektenhotel
Ein Element auf diesem Sinnespfad ist ein Insektenhotel, das gemeinsam von behinderten Erwachsenen und Mitwirkenden vom Schäferhof erbaut wurde. Holzscheiben wurden gesägt und mit unterschiedlichen Bohrlöchern versehen. Diese bieten verschiedenen solitären Insekten Unterschlupf und Fortpflanzungsmöglichkeit.
Besuchern wird so die Möglichkeit geboten, die heimischen Insekten zu beobachten und sich zu informieren.
Fühlkästen
Es kostet schon etwas Überwindung, wenn die Hände durch eine kleine Öffnung in die Dunkelheit greifen. Sie tasten, erkennen, begreifen die Materialien wie Getreidesorten, Zapfen oder Wolle. Die Überraschung und Freude sind groß, wenn das Erfühlte richtig erkannt wurde.
Wohlfühlpfad, auch Barfußpfad genannt.
Hier erleben die Erbauer und Besucher den aufrechten Gang. Auf dem Weg liegen Stein, Holz, Hackschnitzel, Waldboden, Torf, Kies und Kiesel. Sie wechseln sich mit Trittsteinen ab.
Ziehen Sie Ihre Schuhe aus und machen Sie sich auf den Weg. Ihr Fuß federt, greift, tastet. Der Gang wird durch den Kontakt der Füße mit den verschiedenen Böden bestimmt. Der Tastsinn der Füße wird gestärkt. Im Gehen tasten sich die Füße vor und erproben das Gelände. Die Fußsohlen geben die Empfindungen an den Körper weiter, der alle Glieder und den Kopf zu Ausgleichsbewegungen veranlasst.
Das Greifen der Kieselsteine kann man mit den Füßen üben. Das Schreiten über Sandboden, Holzbohlen, Steine, Torf führt zu Haltungsänderungen, die man als den greifenden Gang bezeichnet.
Sensibilisieren Sie Ihre Sinne und genießen Sie die Wohltat für Ihre Füße.
Als weitere Stationen des Weges sind zu nennen:
- Eeken-Bohlen-Tuun
- Dünen
- Hahnenbachtal
- Benjeshecken
- Wacholder
- Schnuckengehege
- Flechten
- Hörstein
- Raummeter
Eine Vielzahl anderer Stationen ist noch in Vorbereitung. Aus den Begegnungen bei den gemeinsamen Arbeiten in der Landschaftspflege haben sich weitere Entwicklungen ergeben:
- eine Schulklasse aus Walsrode hat die behinderten Teilnehmer zu einem gemeinsamen Kinonachmittag eingeladen
- aus der Zusammenarbeit einer Wohneinrichtung und der Werkstatt für behinderte Menschen in Walsrode sind zwei weitere neue Projekte entstanden
"Handele stets so, dass neue Möglichkeiten entstehen."
Dieser Satz von Heinz von Förster hat bei uns zu praktischen Erfolgen geführt.